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Brief an Bundespräsident Christian Wulff

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Rechtsanwalt
Dr. Christian Sailer, Max-Braun-Str. 2, 97828 Marktheidenfeld-Altfeld
Max-Braun-Straße 2
97828 Marktheidenfeld-Altfeld
Telefon: 09391/504-200
Telefax: 09391/504-202
e-mail: info@kanzlei-sailer.de
http://www.kanzlei-sailer.de

Herrn Bundespräsidenten
Christian Wulff
Bundespräsidialamt
Spreeweg 1
11010 Berlin

17.12.2010

Staatsbesuch des Papstes


Sehr geehrter Herr Bundespräsident,


erlauben Sie mir, dass ich mich als Staatsbürger, Jurist und freier Christ mit einigen Fragen und einer Bitte an Sie wende.


Als Staatsoberhaupt stehen Sie über allen politischen Parteien, Konfessionen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Interessengruppen. Vom Träger des höchsten Staatsamtes erwartet das Staatsvolk in besonderem Maße Neutralität und ausgleichendes Wirken im Widerstreit der vielfältigen öffentlichen und
privaten Belange, nicht zuletzt in Bezug auf die unterschiedlichen religiösen Gruppierungen unseres Landes. Ihre Rede zum Tag der deutschen Einheit, in der Sie den Islam als Teil Deutschlands bezeichnet haben, wurde deshalb von vielen freiheitlich denkenden Bürgern als politisch hilfreicher Fingerzeig empfunden, der eine aus dem Ruder laufende Diskussion zur rechten Zeit entschärfte.
Angesichts dieser Rede, die Modernität und Liberalität ausstrahlte, verwundert es umso mehr, dass Sie im Verhältnis zur katholischen Kirche Wege beschreiten, die vielleicht Mitte des vorigen Jahrhunderts, zu Zeiten der „Volkskirche“, noch gangbar erschienen, heute aber viele Bürger vor den Kopf stoßen. Ich meine die Einladung des Papstes zu einem Staatsbesuch, verbunden mit der Möglichkeit, im Deutschen Bundestag eine Grundsatzrede zu halten.

Vor allem Letzteres ist schwer nachvollziehbar, wenn man bedenkt, dass 70 % der Bewohner unseres Landes mit der katholischen Kirche nichts zu tun haben.
Im Übrigen wird die Ehre, vor der deutschen Volksvertretung sprechen zu dürfen, auch Staatsoberhäuptern nur höchst selten zuteil.
Hinzu kommt – und das gilt nicht nur für den Auftritt vor dem Bundestag, sondern für den gesamten Staatsbesuch -, dass die Stellung des Papstes als Staatsoberhaupt äußerst fragwürdig ist. Ursprünglich ging der Staat des Papstes aus der so genannten konstantinischen Schenkung hervor, die sich im 15. Jahrhundert als Fälschung entpuppte, was die Kirche später auch selbst zugab.


Im 19. Jahrhundert wurde diesem Staatsgebilde zunächst durch Napoleon ein vorläufiges und später durch den italienischen König Emanuel I. ein definitives Ende bereitet. Wenn es heute wieder einen Vatikanstaat gibt, so ist dies auf eine der übelsten Gestalten des vorigen Jahrhunderts zurückzuführen, nämlich den faschistischen Diktator Benito Mussolini, der in den Lateranverträgen mit Pius XI. dem Vatikan erneut Staatscharakter zusprach, obwohl sich das Staatsgebiet auf die Gärten um den Petersdom und das Staatsvolk
auf einige Hundert Prälaten beschränkt. Die Verfassung dieses Staates spiegelt bis heute ihren faschistischen Ursprung wieder. Art.1 des von Papst Johannes Paul im Jahr 2000 neu erlassenen „Grundgesetzes“ lautet: „Der Papst besitzt als Oberhaupt des Vatikanstaates die Fülle der gesetzgebenden, ausführenden und richterlichen Gewalt.“ Und in der Präambel dieses Grundgesetzes heißt es, dass der Staat des Vatikans den Zweck hat, dem Papst im Äußeren Unabhängigkeit für seine Weltmission zu verschaffen. Der Vatikanstaat ist also erklärtermaßen nichts anderes als ein Vehikel des Kirchenoberhaupts;
und wer den Papst als Staatsoberhaupt einlädt, lädt damit den Kirchenführer ein, sodass dessen Glaubenslehre kein Kircheninternum mehr bleibt, sondern zum Politikum wird. Das gilt umso mehr, als die Beweggründe für die Staatseinladung der
Vorstellung entspringen, dass Christentum und Kirche identisch seien, eine Auffassung, die viele Bürger keineswegs teilen. Wenn der Papst als Staatsoberhaupt, das sich zugleich als „Stellvertreter Christi“ bezeichnet, in Deutschland einfliegt, wird die Frage, inwiefern er Christus vertritt, zur politischen Frage.

Was Jesus Christus lehrte, ergibt sich aus dem Evangelium, auf das sich auch die Kirche beruft. Dass Kreuzzüge, Hexenverbrennungen und die blutige Missionierung der Ureinwohner Südamerikas nichts mit der Lehre Jesu zu tun hatten, wird auch Benedikt XVI. nicht leugnen. Er wird vielleicht sagen, das liege lange zurück. Nicht so lange zurück liegt die Kriegstreiberei des Vatikans im Jahr 1914, als der vatikanische Gesandte in Wien die damalige österreichische Regierung zu „scharfem Vorgehen“ gegen Serbien aufforderte und damit den 1. Weltkrieg mit heraufbeschwor. Nicht lange zurück liegt auch die kirchliche Unterstützung Mussolinis beim Überfall auf Abessinien im Jahr 1935 oder die Unterstützung der Franco-Diktatur durch Pius XII., der dem Kriegsverbrecher in Madrid mit den Worten gratulierte: „Indem wir unser Herz zu Gott erheben, freuen wir uns mit ew. Exzellenz über den von der katholischen Kirche so ersehnten Sieg“ – ein Sieg, der rund Hunderttausend Republikanern hauptsächlich in Gefängnissen und bei Erschießungen das Leben kostete. Erinnert sei auch an die moralische Unterstützung des Russland-Feldzugs Hitlers durch katholische Würdenträger bis hin zu Pius XII. Kardinal Graf von Galen feuerte im Jahr 1942 in einem Hirtenbrief die deutschen Soldaten zu einem Kreuzzug gegen den Bolschewismus
an. Nicht zu vergessen ist auch der Völkermord an Hunderttausenden orthodoxer Serben, der von 1941 bis 1943 unter maßgeblicher Beteiligung katholischer Kleriker in Kroatien stattfand, angeführt von dem katholischen Ustascha-Führer Pavelic, der mehrmals von Pius XII. empfangen und jeweils mit den besten Wünschen „für die weitere Arbeit“ entlassen wurde. Und der unmittelbare Vorgänger des jetzigen Papstes hielt es in den 90-iger Jahren für nötig, sowohl beim ersten Golf-Krieg als auch im Bosnienkrieg vom „gerechten Krieg“ zu sprechen und zu betonen: „Wir sind keine Pazifisten.“ Auch der jetzige
Papst distanzierte sich schon einmal vom so genannten  Fundamentalpazifismus.
Man mag dies unter dem Gesichtspunkt des Völkerrechts für richtig halten, nur mit Jesus von Nazareth hat es eben nichts zu tun, der Gewalt unter keinen Umständen für gerechtfertigt hielt. Dann kann man aber dem Papst auch keine Vorzugsbehandlung als Stellvertreter Christi einräumen, denn die Papstkirche steht in eklatantem Gegensatz zur Lehre Jesu, was sich eindeutig auch aus der Kirchenbibel ergibt.

Ein Blick in die als Gründungsurkunde des Christentums geltenden Evangelien zeigt, dass auch das riesige Dogmengebäude der Kirche mit Jesus von Nazareth nichts zu tun hat. Es ist nicht einmal durch Theologenweisheit entstanden, sondern im 4., 5. und 6. Jahrhundert durch das Diktat römischer Kaiser. Sie waren es, die in der römischen Staatskirche Religionsstreitigkeiten durch Machtsprüche erledigten und z.B. dekretierten, dass Christus „wesenseins mit Gott“ sei (Kaiser Konstantin, Nizzäa, 325), dass es eine Dreieinigkeit von Gott Vater, Gott Sohn und Heiligem Geist gebe und eine allein-seligmachende Kirche (Kaiser Theodosius I., Konstantinopel, 381) und vor allem, dass jeder verflucht sei, der daran glaube, dass am Ende aller Zeiten alle Seelen und Menschen zu Gott zurückkehren (Kaiser Justinian, Konstantinopel, 553).
Mit solchen und ähnlichen Bannflüchen traktiert die katholische Kirche ihre Mitglieder bis zum heutigen Tag. Einer davon lautet: „Wer nicht die ganze kirchliche Überlieferung annimmt, die geschriebene wie die ungeschriebene, der sei verflucht.“ (Neuner-Roos, Der Glaube der Kirche in den Urkunden der Lehrverkündigung, Nr.85). „Verflucht“ heißt im Kontext kirchlicher Glaubenssätze:
verdammt in alle Ewigkeit. Verflucht wird auch jeder, der „nicht alle Bücher der Heiligen Schrift“, wie sie von der Kirche kanonisiert wurden, also das Neue und Alte Testament, „anerkennt“, oder „wer leugnet“, dass diese Schriften unmittelbar „von Gott eingegeben sind“ (Neuner-Roos, a.a.O., Nr.98). Dabei sind diese Schriften zum Teil geradezu gemeingefährlich. Im Alten Testament steht z.B.:
„Wenn jemand die Ehe bricht mit der Frau seines Nächsten, so sollen beide des Todes sterben, Ehebrecher und Ehebrecherin.“ (3.Mose, 20,10) Auch Homosexuellen droht nach der alttestamentlichen Scharia die Steinigung. Verdammt wird nach der kirchlichen Lehre auch jeder, der aus der Kirche austritt, ohne Rücksicht darauf, dass er als Säugling zwangsweise hineingetauft wurde. Ewig verdammt ist auch jeder, der sich nicht der Unfehlbarkeit des Papstes und den von ihm verkündeten Glaubenssätzen unterwirft. Man kann sagen, es handelt sich um eine ausgesprochen gefährliche Ideologie, die bei vielen Kirchenmitgliedern auch ihre psychische Wirkung zeigt, nicht nur in Form von Unfreiheit, sondern auch in Form ekklesiogener Neurosen – ein inzwischen medizinisch anerkanntes Krankheitsbild.

Eine Organisation, die ihre Mitglieder zwangsweise erwirbt und zwangsweise mit der Androhung ewiger Höllenstrafen bei der Stange hält, verstößt gegen die Menschenwürde.
Wenn der Papst als Staatsoberhaupt auftritt, ist seine staatliche und
religiöse Diktatur nicht mehr bloß eine „Sache der Katholiken“, sondern eine Frage der politischen Akzeptanz, wie es bei anderen Staatsgästen mit diktatorischem Hintergrund auch der Fall wäre. Aus dem religiösen Ärgernis seiner totalitären Dogmen wird eine politische Provokation. Dass die Inhalte seines Glaubens für Außenstehende tabu sein sollten, kann er für sich nicht mehr in Anspruch nehmen, denn der Papst macht mit seiner Religion und seiner Behauptung, er sei der „Stellvertreter Christi“, Politik. Dann wird man ihm seine eigene Bibel entgegenhalten und ihm sagen dürfen bzw. müssen, dass Christus keinen Stellvertreter vorgesehen hat und dass die Kirche mit ihrer blutigen Geschichte und ihrem bis heute andauernden Zwangsystem der freiheitlichen Lehre Christi seit 1500 Jahren ins Gesicht schlägt.
Bedenkt man dies, erweist sich der angebliche „Stellvertreter Christi“ eher als der Stellvertreter einer Gegenorganisation. Würden Sie den Papst auch unter dieser Prämisse einladen, nur weil er ein Staatsoberhaupt ist? Vermutlich nicht. Also erfolgt die Einladung aus bestimmten Glaubensgründen, was für einen Staatsbesuch
keine legitime Motivation ist.
Die meisten Menschen nehmen die Gleichsetzung von Kirche und Christentum einfach hin, weil sie weder über die blutige Geschichte der Kirche noch über ihre totalitäre Lehre informiert sind, die bis heute gilt. Sie, sehr geehrter Herr Bundespräsident, und auch der Herr Bundestagspräsident dürften entsprechende Kenntnisse haben. Deshalb darf ich Sie fragen, wie Sie es verantworten wollen, dem Papst die Möglichkeit zu geben, im Deutschen Bundestag für sein Kirchenregime Reklame zu machen; für ein Regime, das in Deutschland und weltweit Tausende von Kinderschändern in seinen Reihen hat und deren Verbrechen systematisch vertuscht hat, auch unter maßgeblicher Beteiligung des jetzigen Papstes; für ein Regime, das durch so genannte Sektenbeauftragte religiöse Minderheiten in Deutschland ausgrenzt und diskriminiert, was die amerikanische Außenministerin in ihrem jüngst vorgelegten Jahresbericht über Religionsfreiheit ausdrücklich rügte; und für ein Regime, das 3000 professionelle „Teufelsaustreiber“ (Exorzisten) unterhält und damit das Mittelalter ins 21. Jahrhundert transportiert?

Der überwiegende Teil der Bevölkerung wird für diesen Staatsbesuch kein Verständnis haben, auch wegen des irrwitzigen Sicherheitsaufwandes und den enormen Kosten von zig Millionen Euro. Da der Papst nur scheinbar als Staatsoberhaupt, in Wirklichkeit aber als Kirchenoberhaupt kommt, verletzt sein Auftritt im Deutschen Bundestag die weltanschaulich-religiöse Neutralitätspflicht des Staates, es sei denn, man will in Zukunft auch die Vertreter anderer Religionen und Weltanschauungen im Bundestag reden lassen. Die Bürger dieses Landes und ihre Volksvertretung haben es nicht nötig, sich über Ethik und Moral von einem Kirchenführer belehren zu lassen, der einer Organisation vorsteht, die die größte Blutspur in der Weltgeschichte hinterließ, die sich im 19. Jahrhundert vehement gegen die Anerkennung von Menschenrechten wehrte, die über 1500 Jahre Antisemitismus schürte und noch bis zum 2. vatikanischen Konzil das Grundrecht auf Religionsfreiheit ablehnte und ihren Mitgliedern bis heute verweigert – durch Androhung schlimmster Strafen im Falle
des Austritts. Solange der Papst sein totalitäres Kirchenregime, angefangen von der Verfassung des Vatikanstaats bis hin zu den Drohungen des kirchlichen Katechismus, nicht ändert, mag man ihn, wenn man will, als gestrengen Religionsführer tolerieren, als Staatsoberhaupt sollte man ihn in einem freiheitlichen Gemeinwesen, das sich von mittelalterlicher Glaubensknechtschaft gelöst hat, nicht empfangen.
Wenn er nicht von sich aus bereit ist, seinen Staatsbesuch in eine Pastoralreise umzuwandeln, möchte ich Sie, sehr geehrter Herr Bundespräsident, bitten, jedenfalls dafür Sorge zu tragen, dass der Papst nicht im Deutschen Bundestag
auftritt. Ich bin überzeugt, dass diese Bitte im Sinne vieler Bürger ist und vor allem im Sinne unserer Verfassung: In Deutschland gibt es, wie das Grundgesetz ausdrücklich feststellt, keine Staatskirche und deshalb hat der Vertreter eines Kirchenstaats im Parlament unseres Landes nichts zu suchen.

Da es sich um eine öffentliche Angelegenheit ersten Ranges handelt, bitte ich Sie um Verständnis, wenn ich diesen Brief als offenen Brief schreibe. Ihrer geschätzten Antwort sehen ich und viele ähnlich denkende Mitbürger mit großem Interesse entgegen. Einen Abdruck dieses Briefes erlaube ich mir, dem Herrn Bundestagspräsidenten und den Fraktionsvorsitzenden des Deutschen Bundestages zu übersenden.

Mit freundlichen Grüßen
und staatsbürgerlicher Hochschätzung

gez.: Christian Sailer

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Freie Christen für den Christus der Bergpredigt in allen Kulturen weltweit fordern dieStaatskirchenkonzerne auf, den jahrhundertelangen Etikettenschwindel durch denMissbrauch des Namens des Jesus, des Christus, endlich zu beenden. Sie sollen sich

katholisch oder lutherisch nennen, aber nicht mehr christlich.

Auf die Klage beim Verwaltungsgericht Freiburg erwiderte die

beklagte römisch-katholische Kirche mit dem Antrag, die Klage

abzuweisen.

Den Klägern stünde das Recht, die Beklagte zu verklagen, nicht zu. Die Gerichte

hätten keine Befugnis, darüber zu urteilen, ob die Beklagte sich christlich nennen

darf oder nicht , das sei eine innere Angelegenheit der katholischen Kirche, für

die das staatliche Gericht nicht zuständig sei.

Auf die von den Klägern vorgetragenen Tatsachen geht die Beklagte gar nicht ein

und erklärt, sie werde „zu den religiösen und theologischen Fragestellungen,

die von den Klägern aufgeworfen werden, keine Stellungnahme abgeben“. Die

Beklagte verweist darauf, dass die Bezeichnung „römisch-katholisch“ geschützt

ist und betont: „Der Begriff ‚christlich‘ ist nicht geschützt“.

Die Kläger haben daraufhin mit folgendem Schriftsatz an das

Verwaltungsgericht Freiburg geantwortet:

Verwaltungsgericht Freiburg
Habsburger Straße 103
79104 Freiburg
Per Telefax voraus: 0761/7080-888

10. November 2009
h-h

Dieter Potzel u.a. ./. Erzbistum/Diözese Freiburg

2 K 1700/09 In seinem Schriftsatz vom 27.10.2009 gibt der Beklagtenvertreter zu erkennen, dass

er die Klageschrift nicht verstanden hat. Die Kläger haben sowohl in der Abmahnung

als auch in der Klage wiederholt klargestellt, dass sie der Beklagten weder ihre Lehre,

noch ihre Taten, noch ihre Untaten streitig machen. Sie kann ihre „innerbetrieblichen“

Angelegenheiten regeln wie sie will, und sie kann sich nennen, wie sie will, aber nicht

christlich.

Die Kläger wenden sich dagegen, dass die Beklagte sich als „christlich“ bezeichnet,

obwohl weder das, was sie in die Öffentlichkeit verbreitet, noch das, was sie in der

Gesellschaft tut, christlich ist. Sie begeht mit diesem Wort Etikettenschwindel zur

Irreführung der Bürger und zur Erlangung von ungeheueren staatlichen Subventio-

nen unter Missbrauch ihrer Eigenschaft als Körperschaft des öffentlichen Rechtes.

Ihr gesamtes soziales Auftreten in Gesellschaft und Staat erfolgt unter diesem

falschen Etikett. Mit dem innerkirchlichen Autonomiebereich hat all dies nichts zu

tun, wie die Kläger bereits in der Klage dargelegt haben.

Auf Seite drei des Schriftsatzes vom 27.10.2009 erklärt der Beklagtenvertreter die

Position der Beklagten mit erstaunlicher Offenheit, wenn er schreibt:

„Der Begriff „christlich“ ist nicht geschützt.“

Die Beklagte bringt damit zum Ausdruck, dass jeder den Begriff „christlich“ ver-

wenden kann, ohne Rücksicht auf seine wahren Absichten und Verhaltensweisen.

Die römisch-katholische Kirche will dem Gericht offenbar signalisieren, dass sie

sich das Recht, den Namen des Jesus, des Christus, der für eine Hoheitslehre und

ein Leben von höchster Ethik und Moral steht, zu missbrauchen, von Niemandem

streitig machen lässt. Denn, wenn der Name „christlich“ nicht geschützt ist, kann

jeder mit dem Namen Christus Schindluder treiben, also auch die römisch-

katholische Kirche.

Die Beklagte macht nicht einmal den Versuch, zu rechtfertigen, inwieweit sie zu

Recht das Etikett „christlich“ beansprucht. Sie zieht sich auf die Position zurück,

den Namen genauso missbrauchen zu dürfen, wie jeder Beliebige andere.

Wenn jeder sich christlich nennen kann, dann durfte sich Hitler christlich nennen,

der ein Massenmörder war, Mussolini und Franco durften sich christlich nennen.

Luther, auf den sich der Massenmörder Hitler bei seinem Vernichtungs-Feldzug

gegen die Juden berief, und der selbst zum Morden, Stechen, Plündern,

Anzünden und Totschlagen aufrief, durfte sich christlich nennen.

Jeder Kinderschänderverbrecher, perverse Mörder, Sadist, Schlächter,

Sittenstrolch, Völkermörder, Kriegstreiber, Sklavenhalter, Ausbeuter, Lügner,

Betrüger, Räuber, Umweltzerstörer, Heuchler, Tierquäler, Folterknecht, bis

hinunter in die tiefsten Niederungen der Abartigkeiten, darf sich christlich

nennen.  Wenn sich jeder christlich nennen kann, kann sich auch der Teufel

christlichnennen. Wer kann dann beweisen, dass die römisch-katholische Kirche

nicht der Teufel ist, wie es Luther vom Papst behauptete?

Jesus sagte: An ihren Früchten könnt ihr sie erkennen. Woran kann man die

Beklagte erkennen? Wie heißen die Früchte der römisch-katholischen Kirche? Welche

Früchte kann sie uns vorweisen? Vor allem dann, wenn man Autoren wie

Karlheinz Deschner, Horst Hermann, Avro Manhattan, Hubertus Mynarek,

Gert von Paczensky, Vladimir Dedijer und viele viele andere liest und die Tagesnach-

richten aufmerksam verfolgt?

Niemand kann heute mehr bestreiten, dass die römisch-katholische Kirche unter

Missbrauch des Namens „christlich“ und des Kreuzes über Jahrtausende hinweg bis

in die heutige Zeit gemordet, geplündert, geraubt und unsägliches Leid über ganze

Kontinente gebracht hat. Millionen und Abermillionen Menschen wurden von der

römisch-katholischen Kirche unter dem Namen „christlich“ umgebracht in den

Kreuzzügen, in der Inquisition, in den Hexenverfolgungen und den Judenmorden,

bei der Ausrottung ganzer Völker in Mittelamerika, bei der Kolonialisierung Afrikas,

in der Sklavenhaltung, um nur einige der historischen Barbareien der römisch-

katholischen Kirche zu nennen.

Karlheinz Deschner schreibt teils wörtlich, teils sinngemäß:

„Die Machthaber der römisch-katholischen Kirche, die Päpste also, ließen weite

Teile der Erde mit einer nie zuvor dagewesenen Blutspur unvorstellbaren Ausmaßes

überziehen.

Die grausamsten Verbrechen, zu denen nur die allerperversesten Verbrecher

überhaupt fähig sind, wurden von den Priestern der römisch-katholischen

Kirche gebilligt, begangen,befohlen und von ihren der römisch-katholischen

Kirche und den Päpsten hörigenAnhängern ausgeführt.

Über Jahrhunderte hinweg war es ein Morden, Brennen, Kreuzigen und Foltern;

überdie Jahrhunderte hinweg ein Verstümmeln, Erschlagen, Abstechen und

Schlitzen,ein Abhacken von Händen und Füßen, ein Ausdärmen bei lebendigem

Leib; über die Jahrhunderte hinweg ein Rädern und Krummschließen, ein

Köpfe-Abschlagen und Aufspießen, ein Abschneiden von Ohren, Lippen

und Brüsten, ein Ausstechenund Rausreißen von Augen und Zungen, bei

Lebendigen und Toten, ein Vierteilenund Pfählen, ein Zersägen und Hängen,

ein Quälen mit glühenden Eisen, undanderen allerschlimmsten Qualen, wie

es nur kranken Gehirnen entspringen oder Teufel sich ausdenken können.

Über die Jahrhunderte hinweg ein Verhungernlassen, ein In-Verliese-Angekettet-

Wegsperren, ein Auf-dem-Scheiterhaufen-lebendig-verbrennen-Lassen, ein Ersäufen

und Erdrosseln, ein Versklaven, ein Aberkennen aller persönlichen Rechte – alles

ohne Unterlass, millionenfach und viele Jahrhunderte lang.

Säuglinge, Kinder, Frauen, Männer, Greise, Kranke, Behinderte, alle ohne

Erbarmen hingemordet zur angeblichen Ehre Gottes und Machtvergrößerung

der römisch-katholischen Kirche.

Die Güter und der Besitz der Ermordeten wurden oft sogleich der Kirche einverleibt.

Ganze Familien wurden wegen geringer Vergehen, oftmals nur durch bloße

Verleumdungen, bis in die dritte, vierte Generation durch Sippenhaft versklavt

und zugrunde gerichtet.“

Wer es nicht glaubt, der lese selbst nach, bei K.H. Deschner, „Kirche des Unheils“,

„Opus Diaboli“, „Memento!“, bei Horst Hermann, und vielen anderen.

Nur einige ganz wenige Zahlen:

Kreuzzüge: Der Aufruf Papst Urbans II. vom 27. November 1095 hatte mehr als eine

Million Menschen auf entsetzliche Weise zu Tode gebracht. Urban wurde am 14.7.1881

„selig“ gesprochen. Dies war nur einer von 7 Kreuzzügen, deren Opfer auf 22 Millionen

Menschen geschätzt werden.

– Die Zahl der Opfer des kirchlichen Hexenwahns, dessen Ausläufer bis ins 19. Jahr-

hundert reichten, wird auf mindestens 40.000 bis 80.000 Menschen geschätzt.

– Die Zahl der Opfer der Inquisition wird auf bis zu 9 Millionen geschätzt.

– Die Eroberung Amerikas kostete in 150 Jahren überwiegend durch Katholiken

rund 100 Millionen Menschen das Leben. Der katholische Theologe Leonardo Boff

nennt die Eroberung Amerikas den größten Völkermord aller Zeiten.

Sklavenhandel, dem bis zum 19. Jahrhundert 13 Millionen Afrikaner zum Opfer

fielen, wurde von der römisch-katholischen Kirche befürwortet und selbst betrieben.

Der Vatikan war einer der letzten europäischen Staaten, der erst 1838 die Sklaverei

abschaffte.

– Besonders niederträchtig und rücksichtslos ist die römisch-katholische Kirche

immer gegen Urchristen vorgegangen, die den Verbrechen des Priesterkultes

ein Leben nach den Zehn Geboten und der Bergpredigt des Jesus, des Christus,

entgegengesetzt haben. Diese wurden brutal verfolgt, gefoltert, gequält und

ermordet , seien es die Markioniten, die Paulikianer, die Manichäer, die

Katharer oder Albigenser, die Bogumilen, die Anhänger von Savonarola, die

Waldenser, Hussiten und andere. An allen vollzog die römisch-katholische Kirche

ihren dogmatischen Auftrag des Ausmerzens.

Wer jetzt sagt, das liegt alles lange zurück, der kennt die römisch-katholische Kirche

nicht, denn dieser Ausmerzungsauftrag gilt heute noch und wird von der römisch-

katholischen Kirche soweit ernst genommen, wie es die gegenwärtigen Verhältnisse in

den einzelnen Staaten zulassen. Der Ausmerzungsauftrag steht eindeutig in den Lehr-

vorschriften der römisch-katholischen Kirche bei Neuner-Roos im offiziellen Lehrbuch

„Der Glaube der Kirche“ unter Randnummer 382.

Auch die Inquisition ist lebendig wie eh und je. Für die perversen Verbrecher, die die

Inquisition durchführten, und die Der Spiegel am 1.6.1998 als Vorläufer von Gestapo,

Stasi und KGB bezeichnete, fand Josef Ratzinger kurz vor seiner Wahl zum Papst

folgende lobende Worte: „Wir versuchen heute das, was nach damaligen Methoden,

zum Teil kritisierbar, gemacht worden ist, jetzt aus unserem Rechtsbewusstsein zu

machen. Aber man muss doch sagen, dass Inquisition der Fortschritt war, dass

nichts mehr verurteilt werden durfte ohne Inquisitio, das heißt, dass Untersuch-

ungen stattfinden mussten.“ (ARD-Magazin Kontraste, 3.3.2005) – Eine üblere

Verhöhnung der Opfer der Verbrechen der römisch-katholischen Kirche kann man

sich kaum vorstellen

Wer sagt, dies alles liege lange zurück, der hat auch schon wieder vergessen, dass

die römisch-katholische Kirche bis in die letzten Jahrzehnte in den großen Weltkrie-

gen und in vielen weiteren Kriegen Soldaten auf beiden Seiten in den Tod gesegnet

hat, dass sie die Diktatoren Hitler, Franco, Mussolini und unzählige anderer Gewalt-

herrscher unterstützt hat.

Er verdrängt den Völkermord 1941-1943 in Kroatien unter Beteiligung von

Franziskanermönchen und des Erzbischofs Stepinac, dem eine dreiviertel

Million orthodoxer Serben zum Opfer fiel.

Er verschweigt, dass 1994 in Ruanda im Beisein römisch-katholischer Priester

und Nonnen in 100 Tagen 800 000 Menschen ermordet wurden.

Und er weiß vielleicht gar nicht, auf welch abscheuliche Weise während der

Diktatur in Argentinien bis 1983 im Beisein von Militärkaplänen der Rat von

römisch-katholischen Kirchenvertretern befolgt wurde: „Die Ermordung in

einem Militärgefecht ist nicht christlich. Besser machen Sie das so: Geben Sie

eine Spritze mit Drogen den Gefangenen, und dann fliegen Sie übers Meer –

Todesflug.“ (Aus einer Sendung des SWR v. 14.6.2001).

Die Liste dieser Früchte der Beklagten ließe sich beliebig verlängern, bis hin zu

den erst vor kurzem aufgedeckten brutalen Kinderschänderverbrechen durch

Priester und Vertreter der römisch-katholischen Kirche an tausenden und aber-

tausenden von wehrlosen Kindern, die von Psychologen als Seelenmord

bezeichnet werden. Und dass davon nicht nur Hunderttausende von Kindern

in den USA, Kanada, Australien und Irland, sondern auch in Deutschland

betroffen sind, konnte selbst die Beklagte jetzt nicht mehr länger vertuschen,

wie aus einer Meldung der Deutschen Bischofskonferenz vom 2.11.2009 hervorgeht.
In Gefängnissen stehen solche Verbrecher auf der untersten Stufe der Verkommenheit.

Der Konzern der Beklagten hat sie jedoch jahrzehntelang in ihren Palästen und Klöstern

gedeckt.

Die römisch-katholische Kirche vertuscht die Verbrechen systematisch auf höchste

Anordnunghin. Die Süddeutsche Zeitung schreibt am 19.8.2003 unter Berufung

auf einen britischen Zeitungsbericht, der Vatikan habe in den 60-iger Jahren

offiziell angeordnet, sexuellen Missbrauch durch Priester nicht in die Öffentlichkeit

dringen zu lassen. Die Opfer des Missbrauchs sollten unter Drohung der

Exkommunizierung zum Stillschweigen verpflichtet werden. 2001 habe der

deutsche Kardinal Ratzinger in einem Rundschreiben betont, dass das Dokument

noch gültig sei.

Das alles sind Früchte der Beklagten unter dem Namen“ christlich“. Und dabei ist

dies nur ein kleiner Ausschnitt aus dem monströsen Verbrechenskatalog der römisch-

katholischen Kirche. Der weltweit anerkannte und vielfach preisgekrönte Schriftsteller

Karlheinz Deschner, der wie kein anderer in das Schreckenskabinett dieser Organisation

geblickt hat, verbreitet seit 1986 unwidersprochen sein Fazit: „Nach intensiver

Beschäftigung mit der Geschichte des Christentums kenne ich in Antike,

Mittelalter und Neuzeit, einschließlich und besonders des 20. Jahrhunderts,

keine Organisation der Welt, die zugleich so lange, so fortgesetzt und so

scheußlich mit Verbrechen belastet ist wie die christliche Kirche, ganz

besonders die römisch-katholische Kirche.“ (Die beleidigte Kirche, S.42/43)

Dies sind keine innerkirchlichen Angelegenheiten. Millionen und Abermillionen von

Menschen wären froh gewesen, wenn die römisch-katholische Kirche sich auf ihre

innerkirchlichen Angelegenheiten beschränkt hätte, anstatt Verbrechen gegen die

Menschlichkeit und gegen Menschen zu begehen.

Jetzt versteht man auch, was der Seher von Patmos schon vor zweitausend Jahren

gemeint hat, wie in der Bibel der Beklagten zu lesen ist, als er die Menschen in

Bezug auf die Beklagte aufgefordert hat:


„Gehet aus von ihr, mein Volk, dass ihr nicht teilhabt an ihren

Sünden und nichts empfangt von ihren Plagen!“ (Bibel, Offenbarung

des Johannes, 18, 4).

Man versteht auch, warum die Beklagte so darauf beharrt, dass der Begriff

„christlich“ nicht geschützt ist, sondern frei missbraucht werden kann, denn

die Beklagte selbst will ihn auf „Teufel komm raus“ missbrauchen.

Und natürlich nicht im innerkirchlichen Bereich, denn der ist bekanntlich

streng hierarchisch und totalitär strukturiert und dort bedarf es dieses

Etikettenschwindels nicht. Wenn es nur um innerkirchliche Belange ginge und

nicht um die Verteufelung Andersdenkender, dann bräuchte die Beklagte auch

keine Sektenbeauftragten.

Die Kläger wollen mit diesem teuflischen Gebaren der römisch-katholischen Kirche auch

nicht mehr durch das Taufregister verbunden sein, in welches ihre Eltern sie aufgrund

des Etikettenschwindels haben eintragen lassen und wofür sie jahrelang an die Kirche

Tribut in Form von Kirchensteuern haben zahlen müssen. Schon die Tatsache, dort

einmal eingetragen gewesen zu sein, ist für einen aufrichtigen Christusnachfolger, der

sich von dem kirchlichen Zwang befreit hat, eine schwere Schmach, die nur durch die

vollständige Löschung getilgt werden kann.

Mit solch einer dogmatischen Kultreligion und ihren Verbrechen in Verbindung

gebracht zu werden, ist niemandem zumutbar. Und jeder Bürger sollte davor

geschütztwerden, unter der Vorspiegelung falscher Tatsachen in solch eine

Organisation hineingelockt oder gezwungen zu werden.

Vor dem Hintergrund der monströsen Verbrechen in Gegenwart und Vergangenheit

kann man den Hinweis des Beklagtenvertreters, der Name römisch-katholisch sei

geschützt, nur als Ausdruck völliger Hilflosigkeit werten. Wer will schon freiwillig

mit dieser Institution in Verbindung gebracht werden, am allerwenigsten die Kläger!

Offenbar setzt sich diese Erkenntnis auch in der Justiz durch. In einem umstrittenen

Verfahren in Würzburg setzte sich der kurz danach zum leitenden Oberstaatsanwalt

beförderte Dr. Dietrich Geuder sowohl bei Amtsrichter Behl als auch bei der

Vorsitzenden Richterin am Landgericht Müller mit seiner Auffassung durch,

dass es eine Beleidigung ist, wenn man jemanden als Helfer einer römisch-katholischen

Institution bezeichnet, deren Chef lange Jahre der jetzige Papst war. Das Wort

„Inquisitionshelfer“ war der Auslöser für eine saftige Geldstrafe wegen Beleidigung.

Diese vom Oberlandesgericht Bamberg bestätigten Urteile sind deshalb so bahn-

brechend, weil nach Ansicht der Würzburger Justiz schon die Erwähnung einer

Person in Verbindung mit einer römisch-katholischen, lange Jahre vom Papst

geleiteten Institution, für diese Person eine Beleidigung darstellt, die so schwer-

wiegend ist, dass sie weder durch das Grundrecht der freien Meinungsäußerung

noch dadurch gerechtfertigt ist, dass die Aussage wahr ist. Die Würzburger Justiz

hat die römisch-katholische Kirche damit fast noch negativer eingestuft als deren

schärfste Kritiker.

Der gesamte übrige Vortrag der Beklagten beschränkt sich darauf, ihre Position

zu verteidigen, sie hätte das Recht, den Namen „christlich „für ihre Zwecke miss-

brauchen zu dürfen. Offenbar vertraut sie darauf, dass ihre Multimilliarden und

ihre Macht und ihr Einfluss ausreichen, um ihr diese Gelegenheit zum Missbrauch

des Namens des Jesus, des Christus, auch weiterhin zu erhalten.

Sicherlich vertraut sie dabei auch auf ihre in ihrer Dogmatik angelegten Drohungen

mit der ewigen Verdammnis gegenüber vom Säuglingsalter an indoktrinierte

Kirchenmitglieder, wenn sie von ihnen in ihren verbindlichen Lehranweisungen

verlangt, staatliches Recht nicht über die Anforderungen der Kirche zu stellen.

Die Kläger wissen, in welchen Gewissenskonflikt konfessionell gebundene Richter

in so einem Fall geraten, und dass das Glaubensbekenntnis dann im Zweifel den

Ausschlag geben kann.

Um dem erkennenden Gericht eine solche Zwangslage zu ersparen, die übrigens

für einen Lutheraner, von dessen Kirche die Kläger ebenfalls den Verzicht auf

die Bezeichnung „christlich“ verlangen, genauso besteht, stellen wir deshalb

offiziell die Frage an das erkennende Gericht, welches Glaubensbekenntnis

die zur Entscheidung berufenen Richter haben. Denn dem Glauben, zu dem

sie sich bekennen, müssen sie Folge leisten, sonst wäre ihr Bekenntnis ja gelogen.

Und nach dogmatisch kirchlicher Lehre würden sie unweigerlich der ewigen

Verdammnis anheim fallen, wie es z.B. in Neuner-Roos, Der Glaube der Kirche,

in Lehrsatz Nr. 85 bestimmt wird: „Wer nicht die ganze kirchliche Überlieferung

annimmt, die geschriebene wie die ungeschriebene, der sei ausgeschlossen

[= verdammt].“Und der Katechismus stellt in Tz.2242 unmissverständlich fest,

dass die Gläubigen die „Gewissenspflicht“ haben, „die Vorschriften der staatlichen

Autoritäten nicht zu befolgen, wenn diese ….. den Weisungen des Evangeliums

widersprechen.“ Und dass das „entscheidende Wort bei der Interpretation der

Schrift Sache der Kirche“ sei, hat der Führer der römisch katholischen Kirche

erst jetzt wieder klargestellt, wie Radio Vatikan am 26.10.2009 meldet.

Auch aus rechtlichen Gründen dürfte die Mitwirkung konfessioneller Richter

im vorliegenden Verfahren ausgeschlossen sein. In dem erwähnten Urteil des

Landgerichts Würzburg (3 Ns 101 Ds 701 Js 20116/2006) verweigerte die

Richterin Müller dem Angeklagten unter anderem den Freispruch deshalb,

weil dieser sich vor seiner Äußerung bei einem Rechtsanwalt über die Rechtslage

informiert hatte, der das gleiche Glaubensbekenntnis hatte wie der Angeklagte.

Ein solcher Jurist vertrete „einseitig die Interessen“ dieses Glaubens. Diese

Feststellung schließt grundsätzliche jede rechtlich verbindliche Beteiligung

eines Juristen an einem Verfahren aus, an dem Glaubensgenossen von ihm

beteiligt sind. Diese rechtliche Beurteilung wurde vom Oberlandesgericht

Bamberg von den Richtern Schwarz, Dr. Bär und Titze bestätigt.

Abschließend weisen die Kläger nochmals darauf hin, dass niemand der

Beklagten ihre geschützte Bezeichnung römisch-katholisch streitig machen will.

Es wäre doch auch für die Beklagte von Vorteil, wenn sie die geschützte

Bezeichnung römisch-katholisch in den Vordergrund stellt. Sie kann dann unter

diesem Etikett beispielsweise einen Ablass gewähren, den es von Christus nicht

gibt, und es wäre auch für ihre Gläubigen interessant, wenn sie eine geschützte

Organisation haben.

Dr. Sailer
Rechtsanwalt
Dr. Hetzel
Rechtsanwalt

Download: Dieter Potzel u.a. ./. Erzbistum/Diözese Freiburg – 10.11.2009.pdf [111 KB]

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